Im Rahmen der Pressekonferenz der Austrian Data Center Association (ADCA) vom 19.1.2026 wurden die Ergebnisse der aktuellen Studie „Ökonomische Effekte von Rechenzentren“, erstellt vom Wirtschaftsinstitut Economica und unterstützt von Digital Realty, vorgestellt.
Die Kernaussage ist klar: Rechenzentren sind längst nicht mehr nur technische Infrastruktur – sie sind ein zentraler Hebel für Wertschöpfung, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität in Österreich.
Rechenzentren: Fundament der digitalen Wirtschaft
Die Studie unterscheidet dabei drei Wirkungsebenen:
Ob Cloud-Services, KI-Anwendungen, E-Commerce, Echtzeithandel oder digitale Verwaltung – ohne Rechenzentren wären zentrale wirtschaftliche Prozesse schlicht unmöglich oder massiv ineffizient.
- Direkte Effekte durch Bau und Betrieb
- Indirekte Effekte entlang der Wertschöpfungskette
- Spillover-Effekte auf Mikro- und Makroebene
Diese Kombination macht Rechenzentren zu einem echten Multiplikator für den Wirtschaftsstandort.
Starke Multiplikatoren in Bau- und Betriebsphase
Die wirtschaftlichen Effekte sind messbar – und beachtlich:
Bauphase
- Outputmultiplikator: 1,6–2,0
- Beschäftigungsmultiplikator: 1,7–2,2
Betriebsphase
- Outputmultiplikator: 1,6–2,1
- Beschäftigungsmultiplikator: 1,6–4,5
Das bedeutet: Jeder investierte Euro in Bau oder Betrieb erzeugt zusätzliche Wertschöpfung in anderen Branchen – von Planung und Bauwirtschaft über Energie bis hin zu spezialisierten IT-Dienstleistungen.
Cloud als Wachstumstreiber: 6,2 Milliarden Euro Effekt in Österreich
Besonders eindrucksvoll ist der Effekt der Cloud-Nutzung:
- Der gesamte ökonomische Effekt der Cloud betrug 2023 in Österreich 6,2 Mrd. Euro – das entspricht 1,3 % des BIP.
- 1 Euro Cloud-Ausgaben führt zu einem gesamtwirtschaftlichen BIP-Effekt von rund 1,45 Euro.
Für den Zeitraum 2024–2030 wird ein kumulierter Beitrag von 50 Milliarden Euro prognostiziert. Wird das EU-Ziel von 75 % Cloud-Nutzung erreicht, könnte dieser Wert sogar um weitere 9 Milliarden Euro steigen.
KI als Nachfrage-Booster: Kapazitäten müssen verdoppelt oder verdreifacht werden
Die Studie zeigt deutlich: Künstliche Intelligenz ist der größte Wachstumstreiber für Rechenzentrumskapazitäten.
- Bis 2030 wird eine Verdopplung bis Verdreifachung der Nachfrage erwartet.
- Bei voller Nutzung des KI-Potenzials könnte die österreichische Bruttowertschöpfung um 18 % steigen.
Gleichzeitig sieht der europäische „AI Continent Action Plan“ eine Verdreifachung der Rechenzentrumskapazität in den kommenden fünf bis sieben Jahren vor. Ohne leistungsfähige, lokal verfügbare Infrastruktur bleibt dieses Potenzial jedoch theoretisch.
Standortfaktor Österreich: Nähe, Resilienz und Compliance
Die Studie unterstreicht auch die strategische Bedeutung lokaler Rechenzentren:
- Geringere Latenzzeiten für KI- und zeitkritische Anwendungen
- Erfüllung regulatorischer Anforderungen (z. B. Datenresidenz)
- Reduzierte geopolitische Abhängigkeiten
- Stärkung der Innovations- und Ansiedlungsattraktivität
Mit rund 50 Rechenzentren und einem hohen Anteil erneuerbarer Energie verfügt Österreich über eine solide Basis – aber der internationale Wettbewerb schläft nicht.
Zentrale Forderungen der Studie
Um das Wachstumspotenzial zu sichern, formuliert die ADCA klare Handlungsfelder:
- Nationale und regionale Standortkonzepte für Rechenzentren
- Priorisierter und planbarer Netzanschluss
- Wettbewerbsfähige Energieversorgung
- Beschleunigte Genehmigungsverfahren
Insbesondere Netzanschlüsse und Energiekapazitäten werden als kritische Erfolgsfaktoren identifiziert.
Fazit: Infrastruktur ist Standortpolitik
Die Studie macht deutlich: Rechenzentren sind kein Nebenschauplatz der Digitalisierung – sie sind ihr Fundament. Wer digitale Innovation, KI, Cloud und sichere Datenverarbeitung in Österreich vorantreiben will, muss auch die infrastrukturellen Rahmenbedingungen konsequent weiterentwickeln. Für Unternehmen bedeutet das: Die Entscheidung für eine leistungsfähige, skalierbare und lokal verankerte IT-Infrastruktur ist längst eine strategische Weichenstellung. Und genau hier beginnt die nächste Ebene der Digitalisierung.
Für die vollständige Studie inklusive aller Details kontaktieren Sie bitte office@austriandatacenter.org

